Abazzia di Monte Oliveto Maggiore

Der Große Kreuzgang

Fresken Zyklus des Luca Signorelli und Il Sodoma

1497 und 1505-08

Nach Reclams Kunstführer Italien, III,2 Toskana, Stuttgart 1984

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Kunstgeschichtlich ist der Große Kreuzgang der wichtigste Teil der Klosteranlage. Seine einzelnen Flügel wurden nacheinander zwischen 1426 und 1474 errichtet. Hier blieb in dem umfangreichen Freskenzyklus mit Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt, den Luca Signorelli und Giovanni Antonio Bazzi, gen. Il Sodoma ausführten, ein Hauptwerk der italienischen Wandmalerei der Zeit um 1500 erhalten.

Im Jahre 1497 begann Signorelli die heutige Ausmalung mit den Szenen 21-29 in der inhaltlichen Chronologie der Vita Benedikts (im westl. Flügel des Kreuzganges). 1505-08 vollendete Sodoma den Zyklus mit den 19 Szenen aus der Jugendzeit und den 6 späten Wundertaten. Die ungewöhnliche Abfolge in der Entstehung erklärt sich vermutlich aus der Tatsache, daß den ersten 19 Darstellungen Sodomas Fresken des Quattrocento vorausgingen, die dann übermalt wurden.

Dargestellt sind:

0st-Seite. l. Benedikt verläßt das Elternhaus und begibt sich zum Studium nach Rom (im Hintergrund eine freie Darstellung seiner Heimatstadt Norcia). - 2. Er verläßt die Schule in Rom (links die Engelsburg und der Tiber). - 3. Er fügt ein hölzernes Gefäß wieder zusammen (rechts ein Selbstbildnis Sodomas in vornehmer Kleidung). - 4. Der Mönch Romanus übergibt Benedikt das Eremitengewand (im Hinter- grund die Stadt Subiaco). - 5. Der Teufel zerstört mit einem Felsbrocken die Glocke. - 6. Ein Priester bringt Benedikt am Ostertag auf Eingebung Gottes Speisen. - 7. Benedikt unterrichtet Landleute in der christlichen Lehre. - 8. Er wirft sich in einen Dornbusch, um der körperlichen Anfechtung zu entgehen. - 9. Auf Bitten einiger Eremiten läßt er sich zum Abt wählen. - 10. Er läßt durch das Kreuzeszeichen ein Glas mit Wein zerspringen, das ihm die Eremiten aus Unzufriedenheit über die strenge Klosterregel gereicht hatten. - 11. Er läßt 12 Klöster errichten. - Süd-Seite. 12. Benedikt empfängt die beiden römischen Jünglinge Maurus und Placidus (im Hintergrund römische Bauten). - 13. Er heilt einen von Dämonen besessenen Mönch. -14. Er schlägt Wasser aus dem Felsen. - 15. Er läßt die in einen See gefallene Klinge einer Axt an ihren Stiel zurückkehren. - 16. Maurus schreitet über das Wasser, um Placidus zu retten. - 17. Benedikt verwandelt eine Flasche Wein, die ein Knabe versteckt hielt, in eine Schlange. - 18. Der Priester Fiorenzo versucht Benedikt mit Brot zu vergiften; Benedikt verweigert das Brot und läßt es von einem Raben forttragen. - 19. Fiorenzo schickt Kurtisanen zum Kloster Benedikts. -

West-Seite. 20. Benedikt sendet Maurus nach Frankreich und Placidus nach Sizilien (das Fresko entstand nach 1540 anstelle einer vermauerten Tür und wurde von Bartolomeo Neroni, dem Schwiegersohn und Schüler Sodomas, gemalt). Die Inschrift rechts erinnert an den Besuch Karls V., 1536. - Es folgen die Fresken Signorellis: 21. Gott bestraft Fiorenzo, indem er ihn unter den Trümmern seines von Dämonen zerstörten Hauses begräbt. - 22. Benedikt bekehrt die Bewoh ner von Montecassino (im Hintergrund stürzen die Mönche eine Apollo-Statue). - 23. Er vertreibt den Teufel von einem Stein. - 24. Er erweckt einen von einer Mauer erschlagenen Mönch. - 25. Er überführt 2 Mönche des Bruches der Regel, indem er ihnen sagt, wo und wann sie außerhalb des Klosters gegessen hätten. - 26. Benedikt wirft dem Bruder des Mönches Valeriano vor, das Fasten gebrochen zu haben, und gewährt dem Jüngling zugleich Vergebung. - 27. Er entdeckt die List des Totila, der einen Boten in seiner Kleidung zu ihm geschickt hatte. - 28. Er empfängt Totila. - 29. Das durch eine spätere Erweiterung der Tür stark zerstörte Fresko zeigte wahrscheinlich die Auferweckung eines Jünglings. - Die folgenden Darstellungen stammen wiederum von Sodoma: 30. Benedikt sagt die Zerstörung Montecassinos durch die Langobarden i. J. 581 voraus. - Nord-Seite. 31. Benedikt erhält reichlich Mehl und speist die Mönche. - 32. Er erscheint 2 Mönchen in Terracina und gibt ihnen den Auftrag zum Bau eines Klosters. - 33. Er erteilt 2 exkommunizierten Nonnen nach ihrem Tod während einer Messe die Absolution. - 34. Er läßt einem verstorbenen Mönch, den die Erde nicht aufnehmen wollte, die Hostie auflegen. - 35. Er vergibt einem Mönch, dem bei der Flucht aus dem Kloster eine Schlange begegnete. - 36. Er befreit einen von den Goten gefesselten Bauern.

Der Vergleich zwischen den Fresken Signorellis und Sodomas zeigt exemplarisch den Unterschied zwischen zwei Stilstufen und zwei verschiedenen kunstlandschaftlichen Traditionen in der Malerei der italienischen Renaissance. Die Werke des älteren Toskaners Signorelli sind in der Schärfe der Linienführung, dem lebhaften, teilweise heftigen Bewegungsduktus der Figuren und der abrupten Trennung der Bildgründe noch ganz im Quattrocento verwurzelt. Der jüngere, aus Oberitalien zugewanderte Sodoma bevorzugt »sauber konstruierte Hintergrundsarchitekturen, die an Bramante erinnern, oder umbrisch anmutende Landschaften mit Felsaufbauten. Davor stellte er das Bildgeschehen wie auf einer flachen Bühne dar... Häufig wiederholen sich die gleichen Bewegungs- und Standmotive. Gelöst wirken sie erst bei Frauengestalten, deren mit dem Pinsel modellierte kraftvolle Schönheit und Anmut bereits in den frühen Werken aufleuchtet, wie beispielsweise den tanzenden Kurtisanen in Monte Oliveto Maggiore

Benedict predict the destruction of Monte Cassino

  

Benedict readmits two excommunicated nuns


Benedict repairs a broken wooden trough

selfportrait of Sodoma (center)